Palm Springs: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (2022)

Palm Springs entdeckt man am besten in den frühen Morgenstunden. Dann, wenn die Sonne die umliegende Bergkette erstmals in goldenes Licht taucht, die Hitze noch erträglich ist und man die langen Straßen allenfalls mit einer Handvoll Obdachloser teilt, die tagsüber aus Downtown fast gänzlich verschwinden, offenbart Palm Springs seine wunderbare Absurdität.

In diesen Stunden glaubt man, dass David Hockney überhaupt nur malt, weil Palm Springs existiert. Die Stadt, die ohnehin schon eine Naturschönheit ist, hat sich sich durch kleinere kosmetische Eingriffe wie angelegte Alleen aus Dattelpalmen, Kakteengärten und in Bonbonfarben gestrichene Türen den Ruf erarbeitet, wie keine zweite instagrammable zu sein. Midcentury-Bungalows machen sich nun einmal gut im Feed.

Die Moderne in der Wüste: Zweimal im Jahr öffnen Hotels und Wohnhäuser zur „Modernism Week“ ihre Türen. Dann wird das das Erbe der Moderne noch mehr gefeiert als ohnehin schon. Die 350 Events umfassende und über die ganze Stadt verteilte Veranstaltung findet vom 13. bis 20. Februar statt, eine zweite Auflage gibt es im Oktober. Das ganze Programm der „Modernism Week“ finden Sie hier.

Jake Michaeks

Wer hier herkommt, sucht nach etwas. Bloß: nach was?

Solche Bungalows machen Palm Springs zur Oase für Architekturfans. Die [„Modernism Week“](<Disneyland für Architekturfans Warum sehnen sich die Besucher dieses Ortes so nach der Vergangenheit? Palm Springs entdeckt man am besten in den frühen Morgenstunden. Dann, wenn die Sonne die umliegende Bergkette in goldenes Licht taucht, die Hitze noch erträglich ist und man die langen Straßen allenfalls mit einer Handvoll Obdachloser teilt, die tagsüber aus Downtown fast gänzlich verschwinden. Ja, am Morgen offenbart Palm Springs seine wunderbare Absurdität; diese Stadt, die ein bisschen so wirkt, als hätte David Hockney überhaupt nur mit der Malerei begonnen, weil Palm Springs existiert. Die Wüstenstadt ist eine Naturschönheit, die sich durch kleinere kosmetische Eingriffe wie angelegte Alleen aus Dattelpalmen, Kakteengärten und in Bonbonfarben gestrichene Türen einen Ruf erarbeitet hat, besonders „instagrammable“ zu sein. Midcentury-Bungalows und Oltimer machen sich gut nun einmal gut im Feed. Gleichzeitig ist Palm Springs das Disneyland für Architekturfans. Und ein Sehnsuchtsort für alle, die sich nach Hollywoods altem Glamour verzehren. Hier, nur zwei Stunden Autofahrt von Los Angeles entfernt, taucht man tief ein in die zurückhaltende Anmut des Desert Modernism: flache, strahlend weiße Bungalows mit großen, türkisfarbenen Pools, bodentiefe Fensterfronten und Steingärten mit Kakteen prägen das Bild. In den fünfziger Jahren bauten Architekten wie Albert Frey, Richard Neutra, Donald Wexler und John Lautner die Stadt zum Epi-Zentrum dessen aus, was man heute Midcentury-Modern nennt. Mit ihnen kamen die Hollywood-Stars.Protz gibt es nur in Form von Understatement; etwa wenn man die Haustür in der Farbe des Oltimers streicht. Die Stadt mit rund 45.000 Einwohnern ist eine Oase für alle, die klare Linien und große Fenster schätzen – auch wenn die Häuser fernab der „Modernism Week“ für Besucher verschlossen sind. Dann aber öffnen sie sich, in geführten Touren öffnen sich sonst verschlossene Türen. Wir sind im Oktober hier, zur sogenannte Preview der „Modernism Week“, die einen Vorgeschmack auf das Programm im Februar gibt. Hand in Hand mit großartiger Architektur gehen die großen Geschichten, die hier einst hinter verschlossenen Türen passierten. Auf einer geführten Tour durch den Stadtkern hören wir von John F. Kennedy und Marilyn Monroe, die einst angeblich im „Monkey Tree Hotel“ abstiegen. Von Eva Gardner, die ihrem Ehemann Frank Sinatra im Bad des Eigenheims eins mit der Likörflasche überzog. Von Elvis, der auf der Flucht vor Paparazzi sein Ehenacht (?) abbrach.. In den fünfzigern wurde die Wüstenstadt zur Enklave der großen Schauspieler und Sänger, weil sie sich meist nur zwei Auto-Stunden vom Set in Hollywood entfernen durften, um stets verfügbar zu sein. So kamen sie nach Palm Springs, den Ort, in dem es jedes Jahr nur eine Handvoll Regentage gibt. Wir laufen an den wichtigsten Hotels der Stadt vorbei. Dem Avalon, dem Ace, dem XYZ. Jedes Mal, wenn unser Guide den Namen einer Prominenz fallen lässt, sagen die Teilnehmer laut „Wow“ und „Ahh“. Liberace, Catherine Hepburn, Cary Grant, Liz Taylor. Ahh. Wow. Ahh. Sie saugen die Namen geradezu süchtig auf, lachen, wenn unsere Guide eine lustige Anekdote erzählt, als würde man sich an alte Freunde erinnern. Die Strahlkraft, die die Prominenz der Fünfziger und Sechziger Jahre hier noch hat, ist enorm; ebenso die Sehnsucht nach einer Zeit, in der Promis unerreichbare Lichtgestalten ohne Instagram waren. Das auch Leonardo di Caprio in Palm Springs ein Haus besitzt, interessiert die überwiegend seniorigen Besucher der Celebrity-Tour weniger, dabei kann man es sogar mieten. Wir machen uns, fernab der geführten Tour, noch einmal selbst auf den Weg. Wir wollen den Charakter dieser Stadt mit der Kamera einfangen, verstehen, was sie so anziehend macht. Vor dem Kaufmann Haus, ein xhhxhx bau aus dem hssjs, treffen wir eine Geschäftsfrau aus Washington. Sie ist für einen Termin in der Gegend und extra mit dem Auto nach Palm Springs gefahren. Der Motor ihres SUVs läuft, während sie ein paar Schnappschüsse mit dem Handy macht, die will sie ihren Kindern schicken. „They are totally into modernism.“ Kurz nach ihr halten zwei Touristen um die siebzig, sie kommen aus Missouri und sind zum zweiten Mal hier. „Wir lieben Midcentury“, erzählen sie durch das heruntergefahrene Autofenster. „Wir haben zu Hause die Möbel, aber nicht die Architektur.“ Auf einer handgeschriebenen Liste streicht sie „Kaufmann House“ sorgfältig durch. Aus dem Auto gestiegen ist sie nicht. Wir fahren weiter, klappern die ikonischen Bauten ab. Die Tankstelle, die Albert Frey 19XX baute und die heute das Besucherzentrum von Palm Springs ist. Ein beliebtes Fotomotiv, vor allem auf Instagram. Der offizielle Account der Stadt hat fast 70.000 Follower und teilt dort Orte, die sich besonders gut als Fotolocation eignen. Das nervt manche Besucher so sehr, dass sie darum bitten, sich nicht mehr vor ihren Pastellfarbenen Türen abzulichten. Über dem Besucherzentrum (architektur) erhebt sich die Bergkette (XYT). Wir fahren mit dem Auto ein Stück hoch, in Richtung der Seilbahn und drehen erst, als wir die Stadt überblicken können. Der Weg zurück verzaubert. Die Berge hier sind so ursprünglich und monumental, es wirkt, als hätte man Palm Springs eher wie ein Versehen in ihrer Mitte platziert. Zurück in die Stadt. Zum Robot House (?), wo ein Künstler riesige Roboter gebaut hat. Dann zum Stadthall. Wer Typografie liebt, kann den Blick des Schriftzugs kaum abwenden. „The City are the People“ steht da. Das stimmt. Palm Springs ist nicht nur, so lautet Selbstbeschreibung, „die „schwulste Stadt Amerikas“, ja „sogar der Welt“. Es ist auch die Stadt, in der es früh eine Frau als Council Women gab, Ruth Hardy, die für die Bepflanzung und den Verzicht auf Straßenlampen bekannt wurde (CHECK!). Allerdings ist die Stadt nicht nur queer, sondern auch weiß und wohlhabend. Eine Wochenendstadt, in die es Städter zieht, die in L.A. die Sehnsucht nach Kleinstadt mit Glamour packt. Mexikaner sieht man in den wohlhabenden Straßen der Stadt allenfalls in Gärten arbeiten, die ihnen meist nicht gehören. Die indigene Bevölkerung (???) hat ihren eigenen Stadtteil, durchaus wohlhabend, geprägt von großen Casinos. Es gibt nicht nur moderne Bauten in Palm Springs. Der ein oder andere Architekt hat sich durchaus experimentierfreudig gezeigt. Da wäre etwa das „Santorini Haus“, ein Bau, der mit Form und Farbe an Griechenland erinnern soll. BESCHREIBEN. Wir treffen die Inhaber, die das Haus nur für Fotoshootings vermieten. Sie leben gegenüber, im Santorini Haus niemand. Von der Dachterrasse des Hauses blicken wir über Palm Springs. Die ganze Stadt glänzt golden, ein Hitzeschimmer flimmert über dem Boden. Es ist wirklich warm, die eigene Haut von der Sonne so gut gebräunt, dass man fast als Einwohner durchgehen könnte. Der Ausblick von hier oben ist atemberaubend schön. Palm Springs zu verstehen, ist schwer. Es ist eine Stadt des Gefühls. Hier oben bringen wir nur zwei Laute heraus. Erst ein langes Ahh, gefolgt von einem Wow. In keiner Stadt der Welt (?) haben so viele Stararchitekten der Moderne so dicht gebaut wie hier. Die Geschichte ist alt: Um dem überlaufenen Los Angeles zu entfliehen, zog es Prominente in den 1950ern ins zwei Stunden entfertne Palm Springs. Hier ist es immer warm. Die Promis brachten ihre eigenen Architekten; Neutra baute hier, Albert Frey, XYX und XUY dieses nicht einmal 45.000 Einwohner große Architekturmuseum, dessen seltenste Ausstellungsstücke ja aber doch nur bedingt für seine Besucher zugänglich sind. Palm Springs kann man ohne die Schönheit der Natur nicht begreifen>){:target="_blank"} öffnet interessierten Besuchern die Türen zu den sonst verschlossenen, strahlend-weißen Flachdach-Häusern mit bodentiefen Fensterfronten und türkisblauen Pools. Gebaut wurden sie ab den Dreißiger-, aber vor allem in den Fünfzigerjahren von Architekten wie Albert Frey, Richard Neutra, Donald Wexler und John Lautner. Sie haben die Stadt zum Epizentrum dessen gemacht, was man heute Midcentury-Modernism nennt.

Hand in Hand mit großartiger Architektur gehen die sagenumwobenen Legenden, die sich um die Stars des alten Hollywood reihen. In den Fünfzigern zogen viele Filmstars hierher, weil sie sich nicht mehr als hundert Meilen von Los Angeles entfernen durften, um jederzeit zurück ans Set kommen zu können. Zu den alten Geschichten werden in Palm Springs zahlreiche Stadt- und Bustouren angeboten, wir schließen uns an. Hören von John F. Kennedy und Marilyn Monroe, die einst angeblich im „Monkey Tree Hotel“ abstiegen. Und von Eva Gardner, die ihrem Ehemann Frank Sinatra im Badezimmer ihres Eigenheims eins mit der Likörflasche überzog. Von Elvis, der während seiner Flitterwochen vor den Paparazzi flüchtete.

Liberace. Catherine Hepburn, Gary Crant, Elizabeth Taylor. Jedes Mal, wenn unsere Stadtführerin einen dieser großen Namen fallen lässt, sagen die Tourteilnehmer laut „Ah“ und „Oh“ und „Wow“. Geradezu süchtig saugen sie die Namen auf, lachen laut oder nicken zustimmend, wenn unser Guide eine Anekdote erzählt; als wären sie selbst es gewesen, die Marilyn Monroe und JFK hier einst bei heimlichen Treffen erwischt hätten. Die Sehnsucht nach einer Zeit, in der Promis unerreichbare Lichtgestalten ohne Instagram waren, ist immens. Dass auch Leonardo di Caprio in Palm Springs ein Haus besitzt (das man übrigens mieten kann), quittiert der überwiegend seniorige Teil unserer Tourtgänger nur mit einem beiläufigen Nicken.

Palm Springs kann man ohne die Natur drumherum nicht verstehen

Wir machen uns selbst auf den Weg. Wir wollen den Charakter dieser Stadt mit der Kamera einfangen, verstehen, was Palm Springs heute noch so anziehend macht. Ist es bloß Nostalgie? Vor der „Edgar J. Kaufmann Residence“, einem 1946 von Richard Neutra entworfenen Wohnhaus mit verschachtelter, mehrflügliger Glas-, Stahl- und Steinfassade, treffen wir eine Geschäftsfrau aus Washington. Sie ist für einen Termin in der Gegend und extra mit dem Auto nach Palm Springs gefahren. Der Motor ihres SUVs läuft, während sie ein paar Schnappschüsse mit dem Handy macht, die will sie ihren Kindern schicken. „They are totally into modernism.“

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Author: Catherine Tremblay

Last Updated: 01/03/2023

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